Wenn sich ein Jahr zu Ende neigt halten wir oftmals inne um zurück-zu-schauen, auf dieses vergangene Jahr, das wir mit uns und anderen gelebt haben.


Will ich so (mein) Leben?

Ist es gut, (mein) Leben so zu leben?

Wie ist es ausgerichtet, mein Leben?

Was habe ich gelebt und was nicht gelebt – bisher?


Diese Fragen können uns helfen bewusst zu werden, wie wir unser Leben gestalten wollen, uns ent-scheiden für das, was uns wichtig ist, was durch uns zum Leben kommen soll. Dieser – unserer Verantwortung können wir uns nicht entziehen und gerade in Zeiten, wo Einstellungen, Haltungen und Werte überprüft und neu definiert werden, manchmal zu unserer Freude, manchmal zu unserem Erschrecken ist es wichtig, (zu sich) Stellung zu beziehen und Antworten zu geben. Wir sind angefragt, jeden Tag aufs Neue - und unsere Antworten prägen nicht nur unser ganz persönliches Leben sondern auch unser soziales Umfeld, unsere Gesellschaft, unsere Welt.


„Das lachende Ich“, ein kurzer Text mit herausfordernden teils provokanten Fragen kann eine Anregung sein, sich zu stellen und Antworten zu geben auf das was wesentlich ist für uns, um uns neu auszurichten - um dem Leben Möglichkeit zu geben zur Fülle zu kommen.


Georg Stadler


Das lachende Gesicht

 

Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.


Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Leidens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiteren Qualen.


Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz – meinem oder deinem – dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder zu beseitigen. Ich will wissen, ob du mit der Freude – meiner oder deiner – dasitzen kannst, ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.


Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob du bereit bist, jemanden zu enttäuschen, um dir selbst treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrates ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst. Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht schön ist und ob du dein Leben mit Gottes Gegenwart speisen kannst. Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern – meinem und deinem - leben kannst und trotz allem am Randes des Sees stehen bleibst und zu dem silbernen Vollmond rufst: „Ja“

Es interessiert mich nicht, zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast. Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was getan werden muss.


Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie du hergekommen bist. Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht, ob  oder was du mit wem du gelernt hast. Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. Ich will wissen, ob du alleine sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gerne mit dir zusammen bist. Ich will wissen, ob du dennoch dein inneres Lachen spüren kannst – denn dann bist du ganz nah dem Leben, der Liebe, dem All-Eins-Sein – verschmolzen mit der Quelle deiner Kreativität (Kraft).

 

(Oriah Mountain Dreamer)